Skip to main content

Die Schatzkiste Tirols

Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen

EU-weit offener Wettbewerb, 1. Preis

Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol

Kostbare Sammlungen

Das Gedächtnis der Menschen ist bekanntlich kurz, hier wird es bewahrt. Keine ganze, so doch zumindest ein Fuß einer 3.000 Jahre alten Mumie, eine Million konservierter Alpenschmetterlinge, gotische Skulpturen, steinzeitliche Keile, Streichinstrumente des legendären Tiroler Geigenbauers Jakob Stainer. Die Liste ist lang. Im neuen Sammlungs- und Forschungszentrum Hall lagern Millionen historischer Kostbarkeiten aus Tiroler Landesmuseen mit einem geschätzten Wert von über einer Milliarde Euro.

Wir fanden, dass das Gebäude Selbstbewusstsein und Beständigkeit ausstrahlen muss, sicher und unnahbar wirken soll.

Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol

Reduziert und hermetisch

Als Tresor wacht der quadratische, flache Monolith über die Tiroler Kulturschätze, die aus zahlreichen Depots und Sammlungen der Tiroler Landesmuseen an diesem Ort zusammengeführt worden sind; das Gedächtnis Tirols gesammelt in einer von außen dunklen und geheimnisvollen Schatzkiste zu Füßen der mächtigen Tiroler Alpen.

Mir gefällt besonders, dass sich das Gebäude vor dem Bergpanorama so zurücknimmt, obwohl es soviel Fläche unter seinem Dach beherbergt.

Laura Resenberg, Leiterin Restaurierungswerkstätten

Die mit grauen, glasfaserverstärkten Betonplatten (FibreC) verkleidete Fassade mit ihren unregelmäßigen faustkeilförmigen Ausbuchtungen gibt sich hermetisch, wehrhaft wie eine Rüstung. Wenige reduzierte Perforierungen durchbrechen die panzerartige Haut: das Tor für die LKW-Schleuse, Lüftungsschlitze, die gesetzlich vorgeschriebenen Fenster zur Tischlerei und der Haupteingang. Rot leuchten die Innenseiten des Tores, dann wenn es an den Arbeitstagen geöffnet ist.

Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol

Zwiebelprinzip

Das räumliche Konzept ist einfach und klar. Im Außenring befinden sich nach dem Zwiebelprinzip 7.500 m² Depotflächen, dann folgt ein Gang- bzw. Erschließungsring, im Kern gruppieren sich die hellen Arbeits- und Atelierräume für die ca. 35 MitarbeiterInnen um das introvertierte begrünte Atrium, das sich die WissenschaftlerInnen als einen „kontemplativen Denkkreis“ für ihr konzentriertes Forschen und Arbeiten gewünscht hatten.

Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Sammeln, Forschen, Entspannen

Das Atrium assoziiert eine Atmosphäre wie in einem Klosterkreuzgang. Wir fanden das sehr reizvoll, dass das Außen und das Innen in einem so großen Kontrast zueinander stehen.

Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol

Lagern, Forschen, Restaurieren

Zwei der drei Geschosse sind in der Erde versenkt und erreichen ohne aufwendige Klimatechnik für den klimatisch autarken Depotbereich eine optimale Temperatur von 19 Grad Celsius und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. In seiner Silhouette wird der Baukörper entsprechend der Hanglage eingeschnitten.

Das ist mehr als ein Depot. Hier wird Expertise einziehen. Das ist ein sensationeller Qualitätssprung!

Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseum
Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol

Der im Außenring gelagerte Fundus ist durch Schleusen über den Erschließungsgang von den Büros, den Werkstätten, Pack-, Entlade- und Konservierungsräumen, dem Fotoatelier und der Tischlerei auf kurzem Weg erreichbar. „Für uns RestauratorInnen hat sich die Arbeitssituation im Vergleich zu früher erheblich verbessert“, so Laura Resenberg, Leiterin der Restaurierungswerkstätten. „Nun ist es möglich, sich auf die Schnelle mal ein Exponat anzuschauen. Die passenden Ateliers liegen dem jeweiligen Depotbestand direkt gegenüber. Sich mit unseren Wägen barrierefrei auf einer Ebene zu bewegen, macht alles viel einfacher.“

Forschen, nachdenken und mit FachkollegInnen diskutieren – konzentriert an einem Ort, in Ruhe und direkt am Objekt. Das Gedächtnis der Menschen ist kurz, es zu bewahren ein letztlich aufwendiger und doch sich lohnender Prozess.

Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol

Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Lageplan

Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol

Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Grundriss Erdgeschoss
Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Grundriss Untergeschoss 1
Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Grundriss Untergeschoss 2

Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Schnitte
Sammlungs und Forschungszentrum, Tirol
Ansichten

Details

Auftragsart

EU-weit offener Wettbewerb

Auftragsumfang

Generalplanung und ÖBA

Auszeichnung

Wettbewerbsgewinn

Auftraggeber

Land Tirol, Abteilung Hochbau

Ort

Hall, Tirol

Planung

2014–2015

Realisierung

2015–2017

Status

Realisiert

NGF

12.760 m²

BGF

14.030 m²

Baukosten

20,3 Mio. €

Mitarbeiter

Corinna Toell (PL), Joseph Suntinger, Arnim Dold, Wolfgang Fischer, Theresa Wauer, Susann Murtezani, Diana Nemeth, Eveline Leichtfried

Kooperation

Statik

petz zt-gmbh

Bauphysik

Schöberl & Pöll GmbH

Thermische Gebäudesimulation

Jung Ingenieure

Gebäudetechnik

DI Dieter Schwaninger,
HG Engineering

Lichtplanung

Pokorny Lichtarchitektur

Landschaftsplanung

idealice Landschaftsarchitektur

Brandschutzplanung

FSE Ruhrhofer Schweitzer GmbH

Leitsystem

Lichtwitz Leinfellner visuelle Kultur KG

ÖBA

Gelmini & Baumgartner GmbH

Fotografie

Andreas Buchberger (9), Christian Flatscher (2)