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Ein Ort dazwischen

Schubhaftzentrum Vordernberg, Steiermark

EU-weit offener Wettbewerb, 1. Preis

Schubhaftzentrum Vordernberg

Eines Tages wurde die Scheibe unseres Wiener Architekturbüros eingeschlagen. Ein Protest gegen den Bau eines Schubhaftzentrums im steirischen Vordernberg. Ja, wir hatten dieses umstrittene Gebäude errichtet. Und wir sind stolz darauf, sofern man bei solchen Bauten überhaupt von Stolz sprechen kann.

Schubhaftzentrum Vordernberg

Etwas ändern

Wir hätten mit unseren Kritikern gerne gesprochen, denn wir sind der Meinung, dass sich fortschrittliche Architektur auch dem Bau repressiver Einrichtungen stellen muss. 

Wir können als Architekten zwar nicht das Fremdengesetz ändern, aber die Haftbedingungen jener, die davon betroffen sind.

 

Wir glauben, dass wir uns auch jenen Fragen stellen müssen, die eigentlich nicht zu beantworten sind. Etwa, wie ein humanes Abschiebeverfahren aussehen kann. Wir können als Architekten zwar nicht das Fremdengesetz ändern, aber die Haftbedingungen jener, die davon betroffen sind.

Schubhaftzentrum Vordernberg

Gegenteil von Gefängnis

Auch Schubhaftzentren dürfen unserer Meinung nach keine architektonischen Unorte, keine billigen Container mehr sein. Die Menschen, die dort leben, haben ebenso ein Recht auf ein Leben in Würde.

Schubhaftzentren dürfen keine architektonischen Unorte sein.

 

Schubhäftlinge haben ja nichts verbrochen, sondern sind lediglich ohne Papiere im Land. Dennoch sitzen sie – etwa in Wien – noch immer in dunklen Polizeikottern aus der Kaiserzeit, oft unter unerträglichen Bedingungen, wie Strafgefangene.

Offen und menschlich

Unsere Aufgabe war es, den Aufenthalt von „Schubhäftlingen“ so erträglich wie möglich zu gestalten. Wir wollten auf alles verzichten, was nach Strafe riecht. Wir haben – im Rahmen der uns vorgegebenen Gesetze – sehr radikal gedacht und die Bundesimmobiliengesellschaft und das Innenministerium unterstützte uns dabei. Wir wollten das Gegenteil von Gefängnis bauen: statt Gitter, Zellen und einem Gesperre haben wir auf 6.500 m² zwölf offene Wohngruppen geschaffen.

Schubhaftzentrum Vordernberg

Blick auf Bach und Berg

Die Menschen, die hier leben, können auf Bach und Berg blicken und dürfen sich in Aufenthaltsräume oder kleine Wohnhöfe zurückziehen, in denen Felsenbirnen blühen. Die Zellen, die wir Zimmer nennen, haben nichts von einem Gefängnis. Die Wände sind mit Seekiefer verkleidet, das Material wirkt auch dann noch wohnlich, wenn es beschädigt wird.

Zimmer statt Zellen.

 

Statt Gittern haben wir raumhohe Fixverglasungen eingebaut, die mit zehn Zentimeter dünnen Lüftungsflügeln ausgestattet sind. Der Verwaltungstrakt dient als Mauer, lässt aber Einblicke der Öffentlichkeit in das Anhaltezentrum zu.

Schubhaftzentrum Vordernberg

Begegnung auf Augenhöhe

Wichtig waren uns bei den Planungen des 10.000 Quadratmeter großen Areals aber nicht nur die Insassen, sondern auch die BetreuerInnen.

Die Inhaftierten sollen keine Nummern, sondern sichtbar sein.

 

Die Wachleute sollten nicht abgeschottet von den Abzuschiebenden arbeiten, sondern im täglichen Kontakt zu jenen Personen stehen, die hier festgehalten, aber auch beraten und beschützt werden. Die Inhaftierten hier sollten für das Personal keine Nummern mehr sein, sondern Bürger, die bewacht werden, ehe es in eine ungewisse Zukunft geht.


Und das ist der Brief, den wir an die KritikerInnen des Projektes geschrieben haben.

 

Schubhaftzentrum Vordernberg
Schubhaftzentrum Vordernberg
Grundriss Erdgeschoss
Schubhaftzentrum Vordernberg
Grundriss Obergeschoss
Schubhaftzentrum Vordernberg
Ansichten

Schubhaftzentrum Vordernberg
Lageplan

Details

Auftragsart

EU-weit offener Wettbewerb

Auftragsumfang

Generalplanung

Auszeichnung

Architekturpreis des Landes Steiermark 2016, Nominierung; ECOLA Award, Nominierung

Auftraggeber

Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.

Ort

Vordernberg, Steiermark

Planung

2010–2012

Realisierung

2011–2013

Status

Realisiert

NGF

10.040 m²

BGF

11.060 m²

Baukosten

18,6 Mio. €

Mitarbeiter

Marco Bumeder (PL), Monika Liebmann (PL) , Sylvia Urban (PL), Barbara Wagner, Thomas Karl, Ania Korotarz, Lukas Mahlknecht, Laura Scharf, Ulrike Straube, Simon Treml, Marie Vigne, Margitta Wagner, Arnold Wilfing, Christoph Windsperger

Kooperation

Statik

kppk ZT GmbH

Bauphysik

kppk ZT GmbH

Gebäudetechnik

Zentraplan Planungsges.mbH

Lichtplanung

Christian Ploderer

Landschaftsplanung

Rajek Barosch Landschaftsarchitektur

Brandschutzplanung

Norbert Rabl ZT GmbH

Medizintechnik

ZT Mader

Leitsystem

Studiozwei - Agentur für Kommunikationsdesign

Kostenmanagement

Buchegger 7 Baumanagement GmbH

ÖBA

Buchegger 7 Baumanagement GmbH

Fotografie

Hertha Hurnaus