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Glückliche Metamorphose

Gymnasium Gainfarn, Niederösterreich

EU-weit offener Wettbewerb, 1. Preis

Gymnasium Gainfarn Bad Vöslau

Von starr zu flexibel

Neue Lehrmethoden benötigen flexible Raumkonzepte und eine multifunktionale Architektur. Teilbare Klassen, Workingstations für PädagogInnen, Begegnungszonen, Entspannungs– und Bewegungsbereiche, Unterricht im Freien. Die Zeiten der hierarchisch strukturierten Schulen, wo sich an langen, dunklen Gängen ein Klassenzimmer an das andere reiht, sind vorbei. Genauso altmodisch war die ehemalige Försterschule, die wir in Gainfarn / Bad Vöslau vorfanden, und diese wollten wir grundlegend modernisieren.

Amorph statt eckig

Wir rissen die nicht mehr brauchbaren Teile ab und sanierten den Bestand aus den Siebziger Jahren. Diesen ergänzten wir mit weiteren Trakten wie ein Windrad um die neue, zentrale Aula, fünfzig Meter lang, sechzig Meter breit. In sie stellten wir ein amorph geformtes Gebilde, denn Eckiges gab es ohnehin schon genug. Hier residieren die Bibliothek, nebst Mehrzweckraum.

Eckiges gab es ohnehin schon genug.

 

In den Umkleideräumen, Duschen und Toiletten im hinteren Teil ziehen sich die SchülerInnen für den Sportunterricht um und laufen auf direktem Wege, auf gleicher Ebene, zu einem der zwei angrenzenden Turnhallen oder den Sportplätzen ins Freie.

Nebeneffekt: Durch die so zueinander gesetzten Gebäudeteile entstanden vielfältige Außenräume, Nischen und Freiflächen.

Gymnasium Gainfarn Bad Vöslau

Das Gegenteil von Grau

Damit die Aula nicht nur Durchzugsort bleibt, gestalteten wir die Treppe als großes Sitzmöbel mit einem hellen Oberlicht darüber, auf dem die Jugendlichen gerne lümmeln, Hausaufgaben abschreiben, tratschen und spielen.

Wir ließen uns bei der Decke vom Spektrum der Jolly Buntstifte inspirieren.

 

Die bunte „Jollystift Decke“, diagonal verlaufende Aluminiumlamellen vor schwarz gestrichenen Herakustikpanelen, ist nicht nur im wahrsten Sinne schräg, sie ist das Gegenteil von Grau und schluckt den Lärm, den viele Kinder nun einmal so produzieren. Sie taucht immer wieder in den Gebäudeteilen als verbindendes Gestaltungselement auf, sogar bis unters Vordach hinaus. Manche sagen, sie ist zum Wahrzeichen der Schule mutiert.

Licht, Transparenz und Lebendigkeit

Durchgehende Fensterbänder machen die Gänge und Räume hell und luftig. Der Bezug zum Außenraum ist damit überall vorhanden. Der Blick kann schweifen, die Gedanken sich klären und der schulfreie Nachmittag liegt visuell zumindest nah. Die Gangfenster mit Sitzlaibungen geben Blicke in und aus den Klassenzimmern frei, bringen Licht, Transparenz und Lebendigkeit. Gangschule war gestern.

Gymnasium Gainfarn Bad Vöslau

Wohnzimmer im Freien

Ein Element, das wir im Bildungsbau immer gerne einsetzen, eine Dachterrasse, haben wir auf dem Flachdach der Aula platziert. Auf den runden bunten Sitzinseln, die zwischen Pflanzentrögen stehen, chillen die SchülerInnen, lernen für den nächsten Text, lauschen dem Unterricht unter freiem Himmel oder schauen den MitschülerInnen beim Sportunterricht auf den Plätzen darunter zu.

Der ökologische Aspekt: Das gesamte Gebäude wurde nebst thermischer Sanierung auf Niedrigenerigestandard gebracht. Auf aufwendige Haustechnik haben wir verzichtet. Eine Hackschnitzelheizung nutzt Brennmaterial, das regional vorhanden ist.

Gymnasium Bad Vöslau Gainfarn
Grundrisse
Gymnasium Bad Vöslau Gainfarn
Schnitte
Gymnasium Bad Vöslau Gainfarn
Lageplan
Gymnasium Bad Vöslau Gainfarn

Details

Auftragsart

EU-weit offener Wettbewerb

Auftragsumfang

Generalplanung

Auszeichnung

Wettbewerbsgewinn

Auftraggeber

Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.

Ort

Bad Vöslau, Niederösterreich

Planung

2010–2014

Realisierung

2012–2014

Status

Realisiert

NGF

9.450 m²

BGF

10.600 m²

Baukosten

15,0 Mio. €

Mitarbeiter

Lucie Vencelidesová (PL), Anna Gruber, Michael Hasslacher, Bernd Stuffer, Joseph Suntinger, Christian Szalay, Wolfgang Fischer, Daniel Kovacs, Larissa Sandhack, Kamile Batur

Kooperation

Statik

petz zt-gmbh

Bauphysik

Schöberl & Pöll GmbH

Gebäudetechnik

BPS Engineering

Brandschutzplanung

FSE Ruhrhofer & Schweitzer GmbH

ÖBA

A Quadrat ZT GmbH

Fotografie

Kurt Kuball (5), Lukas Schaller (4)