Ein Holzbau für die Forschung

Ersatzneubau Universität Bonn, Nordrhein-Westfalen

Ein Labor- und Forschungsgebäude in Holzbauweise zu errichten und damit CO2-neutral zu bauen war unser vorrangiges Ziel bei dieser Wettbewerbsaufgabe. Die Studierenden der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sollen in einem architektonisch schlicht gehaltenen Ersatzneubau aus nachhaltigen Materialien forschen und lernen. Deshalb haben wir bereits in dieser frühen Planungsphase mit ExpertInnen ein Nachhaltigkeitskonzept entwickelt und uns auf erneuerbare Ressourcen fokussiert.

Details

Auftraggeber

BLB NRW

Status

Idee

NGF

5.972 m²

Auszeichnungen

2. Preis

Chemie bis Zoologie

Noch steht man auf einem Acker, nimmt man die Abkürzung von der Mensa zum Hörsaalzentrum des neuen Campus Poppelsdorf. Hier auf diesem Acker entsteht in den kommenden Jahren das AVZ I, ein Ersatzneubau. Hinter der sperrigen Abkürzung verbirgt sich ein multifunktionales Gebäude für unterschiedliche Fachrichtungen. ForscherInnen der Ernährungswissenschaften, Zoologie, Pharmazeutischen Biologie, Genetik und Physikalischen Chemie werden hier künftig experimentieren und unterrichten. Orientierung an der Architektur anderer Gebäude am Campus gibt es keine, die Handvoll fertiggestellte Solitäre ist heterogen und gibt keinen Anhaltspunkt für eine besondere Kubatur. Deshalb haben wir uns für eine architektonisch klare, gängige Formsprache entschieden und geben lieber zukunftsorientierten Bauweisen und Materialien Raum.

»Die gewählte Baukonstruktion als Holzhybridbauweise in den Obergeschossen, aufbauend auf einem massiven Gebäudesockel entspricht den Anforderungen an eine nachhaltige Konstruktion und ermöglicht eine klimafreundliche Erstellung.«

Auszug aus dem Juryprotokoll

Zentrales Atrium

Um eine Pufferzone zur vorbeilaufenden Autobahn im Süden zu schaffen, rücken wir das Gebäude im Norden so nah wie möglich an den Bestandsbau ran – hier sind ohnehin die gleichen Institute wie im Ersatzneubau angesiedelt. So schaffen wir einen Vorplatz, der in der Verlängerung der Mensa liegt und eine Achse zur Campus-Bibliothek bildet. Büsche und Bäume bilden eine grüne Abgrenzung zu den vorbeirauschenden Autos. Durch diesen Haupteingang gelangen die InstitutsmitarbeiterInnen und StudentInnen in den öffentlichen Teil des Neubaus: den Seminartrakt. Dieser erstreckt sich über zwei Geschoße, das Atrium dient als Ort zur Kommunikation zwischen Studierenden, Forschenden und BesucherInnen. Dahinter liegen die hoch technisierten Laborbereiche für bis zu 200 Studierende, nach oben hin reihen sich die privaten Büros und Labors der MitarbeiterInnen aneinander. Eine klare Trennung der Funktionen im Grundriss und im Schnitt.

»Die öffentlichen Funktionen sind mit Hörsaal, Praktikumsbereichen und Kommunikationszonen um einen zentralen Treppenraum im südwestlichen Gebäudeteil angeordnet. Dieser durchgängige Raum ermöglicht die Begegnung ebenso wie die Verteilung in die Lernbereiche.«

Auszug aus dem Juryprotokoll

Konstruktion aus Holz

Holz ist ein nachwachsendes Konstruktionsmaterial, bindet in verbauter Weise noch CO2 durch Sequestrierung und verhindert so die Kohlenstoffdioxid-Abgabe an die Umwelt für die gesamte Lebensdauer des Objektes. Nach seiner Nutzung kann Holz thermisch genutzt werden und wieder Teil des biologischen Kreislaufs werden. Deshalb haben wir das Forschungsgebäude als Holzbau in Elementbauweise mit Holzbalkendecke konzipiert – lediglich die aussteifenden Kerne sind aus Stahlbeton. Durch die Holzkonstruktion wurden aber auch Gebäuderaster und Spannweiten vorgegeben und wir mussten neue Denkansätze verfolgen. Das Nachhaltigkeitskonzept sieht neben der Holzkonstruktion auch eine autarke Energieversorgung vor: Auf der kompletten Dachfläche kommt eine Fotovoltaik-Anlage zum Einsatz, solarstrombetriebene Erdsonden sorgen im Winter für Wärme und holen im Sommer die Kühle aus der Erde – klimaschädliche Kühlgeräte sind somit überflüssig. Dieser Fokus auf Kreislaufwirtschaft und ökologische Materialien wird uns über den Wettbewerb hinaus begleiten – und das ist gut so.

»Es war keine Vorgabe, das Universitätsgebäude als Holzbau zu planen. Labore aus Holzkonstruktionen sind generell noch sehr rar gesät – aber wir sind davon überzeugt, dass Holzbauten auch in diesem Bereich einen immer größeren Stellenwert angesichts der Klimakrise erlangen. Das Ziel der deutschen Bundesregierung, klimaneutral zu bauen, gibt hier noch einen Extraschub.«

Friedrich Körner, Franz&Sue-Projektleiter

Grundriss Erdgeschoß

Grundriss Obergeschoß

Ansicht

Lageplan

Index/Count
Auftragsart

EU-weiter Verhandlungsverfahren mit vorgelagertem Realisierungswettbewerb

Auftraggeber

BLB NRW

BGF

10.350 m²

Ort

Bonn, Nordrhein-Westfalen

Status

Idee

NGF

5.972 m²

MitarbeiterInnen

Friedrich Körner (PL), Marieke Senkpiel, Asmir Mehic

Auszeichnungen

2. Preis

Statik

Knippers Helbig

Brandschutzplanung

Inengieurbüro Seidel

Fassadenplanung

Knippers Helbig

Weitere Kooperationspartner

Energietechnik: Transsolar