Forensisch-therapeutisches Zentrum

Göllersdorf, Niederösterreich
Wettbewerbsgewinn

Im forensisch-therapeutischen Zentrum Schloss Göllersdorf, 45 km von Wien entfernt, sind RechtsbrecherInnen mit schwerwiegender und nachhaltiger psychischer Erkrankung untergebracht, die zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig waren. Das denkmalgeschützte Renaissanceensemble und der Achtzigerjahre-Zubau benötigten nach 40 Jahren im Betrieb dringend eine grundlegende Sanierung und strategische Erweiterung. Wir ergänzen die in einen großzügigen Park eingebettete Anlage mit zwei Neubauten für die Wohngruppen und einem neuen Wirtschaftstrakt. Dazu greifen wir die Hofstruktur des Bestands auf, schaffen allseitig Bezüge zu den Grünflächen und bieten den Untergebrachten mit kleinen Loggien in den Zimmern auch private Freiräume.

Details

Auftraggeber

Republik Österreich

Status

In Bearbeitung

»Das Projekt besticht in vielerlei Hinsicht. Sowohl städtebaulich, im Umgang mit dem Bestand, in seinem architektonischen Ausdruck als auch in seiner innen- und außenräumlichen Qualität zeigt der Entwurf eine für den Ort außergewöhnliche Lösung.«

Auszug aus dem Juryprotokoll

Behandlung und Betreuung 

Im sogenannten Maßnahmenvollzug erhalten die Menschen eine psychiatrisch-medizinische Behandlung und psychosoziale Betreuung, Die krankheitsbezogene Gefährlichkeit der PatientInnen wird so behandelt. Die strafrechtliche Unterbringung soll die Personen davon abhalten, unter dem maßgeblichen Einfluss ihrer schwerwiegenden und nachhaltigen psychischen Störung mit Strafe bedrohte Handlungen zu begehen. Wichtig ist dabei ein strukturierter Tagesablauf, dazu gehört auch die Arbeit in einer der Werkstätten, der Wäscherei oder im Garten. Schritt für Schritt soll den hier Untergebrachten eine weitgehende Selbstständigkeit ermöglicht werden. Die Unterbringung soll nur mehr in Einzelräumen und vereinzelt in Zweipersonenräumen erfolgen, weshalb unter anderem eine Erweiterung des Bestandes notwendig wurde.

Rundum Natur

In und um die gesamte Anlage gelten die strengen Sicherheitsanforderungen einer Justizanstalt.  Die Menschen sind in Hafträumen innerhalb von Wohngruppen untergebracht. Für diese errichten wir im Norden Richtung Park zwei neue Bauteile mit begrünten Innenhöfen. Alle Wohngruppen schauen nach außen in die Landschaft, die Gemeinschaftsbereiche und die Räume der Bediensteten sind nach innen in die Höfe orientiert. Die neuen Räume sind mit raumhohen Fenstern ausgestattet, die zurückspringende Fassade bietet hinter der Vergitterung Raum für kleine Loggien als kleinen privaten Freiraum. Durch die versetzte Anordnung der Baukörper vermeiden wir gegenseitige Einblicke und ermöglichen Ausblicke in die Natur.

»Besonders hervorzuheben ist die Materialisierung der Fassaden mit Klinkerziegel. Diese erzeugen eine wohnliche Atmosphäre und durch die vorspringenden Bauteile ist ein natürlicher Sicht- und Sonnenschutz gewährleistet.«

Auszug aus dem Juryprotokoll

Klare Struktur und kurze Wege 

An die bestehende Schlosserweitung aus den Achtzigerjahren knüpfen wir im Norden direkt mit einem neuen Wirtschaftstrakt an. Eine zentrale Erschließungsachse, an der Allgemeinräume wie der Mehrzwecksaal, die Cafeteria und die Werkstätten liegen, ermöglicht eine einfache Orientierung. Sie verbindet alle drei Gebäude und schafft über die zwei Obergeschoße und ein Untergeschoß abwechslungsreiche räumliche Situationen. Im gesamten Areal erleichtern kurze Wege, viel Tageslicht und eine klare Struktur die Funktionsabläufe und vereinfachen dem Personal den Arbeitsalltag.

»Die Erschließung der Anlage, die Ver- und Entsorgung sind sehr gut gelöst. Insgesamt bietet das Projekt in seiner architektonischen Qualität und seiner konzeptionellen Schärfe einen überaus positiven Beitrag für die schwierige Aufgabe in diesem speziellen Kontext. «

Auszug aus dem Juryprotokoll

Lageplan

Index/Count
Auftragsart

EU-weiter, offener, einstufiger Realisierungswettbewerb

Auftraggeber

Republik Österreich

BGF

24.788 m²

Auftragsumfang

Generalplanung

Ort

Göllersdorf, Niederösterreich

Status

In Bearbeitung

MitarbeiterInnen

Johanna Rilling, Darija Gunitzberger, Lukas Rütten, Josef Schmidhuber, Claude Probst