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Subtrahieren, addieren, drehen

Volksschule und Neue Mittelschule unter Denkmalschutz in Leoben, Steiermark

Wettbewerb mit vorgeschalteter Bewerbung, 1. Preis

Leoben ist die zweitgrößte Stadt der Steiermark. Die Montanuniversität und die zahlreichen hier ansässigen Industrieunternehmen prägen diesen Ort und seine BewohnerInnen. Eine Stadt mit Tradition und Baukultur, aber auch einer heterogenen Bevölkerung und vielen Kindern, die eine differenzierte pädagogische Begleitung benötigen.

Mir ist ganz wichtig, dass unsere SchülerInnen stolz auf ihre Schule sind und sich unsere LehrerInnen hier wohlfühlen.

Kurt Wallner, Bürgermeister Leoben

Das neue Bildungszentrum Innenstadt Leoben zeigt als einer der größten Schulstandorte der Region, wie Vielfalt in einer Gemeinschaft funktioniert. Die Volksschule und Neue Mittelschule mit insgesamt 600 Kindern teilten sich immer schon ein Gebäude – jedoch ohne gemeinsame Räume oder Synergien. Und so wurde der Architekturwettbewerb zur Sanierung und Erweiterung zum Anlass, eine gemeinsame Identität zu finden.

Auf Augenhöhe

Begonnen hat dieser Prozess, nicht wie sonst im ersten Verhandlungstreffen, sondern während der Wettbewerbsphase, wo wir an mehreren Workshoptagen mit 70 LehrerInnen die Aufgabenstellung und Anforderungen diskutierten. Moderiert wurden die Gespräche vom Architekturbüro nonconform. So hatten wir die Möglichkeit, Wünsche und Bedürfnisse der PädagogInnen in unseren Entwurf und später in die Planung einzubeziehen, und im Gegenzug lernten unsere Gegenüber von unserer langjährigen Erfahrung im Schulbau.


Bestand
Anbauten abbrechen
Eine neue zentrale Stiege
Die Gemeinschaftsbereiche

Transformation auf allen Ebenen

Den denkmalgeschützten Altbestand der 1904/05 erbauten Schule konnten wir in seiner Substanz belassen, durch den Abbruch der Schulwarthäuschen und Sanitäranlagen schaffen wir mehr Platz und Transparenz. Den so entstehenden Raum zwischen dem denkmalgeschützten Klassentrakt und dem Turnsaalgebäude füllen wir mit großzügigen und zum Garten geöffneten Gemeinschaftsflächen.

Das Besondere an unserem Entwurf ist, dass der Großteil der Bausubstanz erhalten bleibt und doch eine ganz neue Schule entsteht.

Martino Libisch, Projektleiter bei Franz&Sue

Die abgetreppten, verglasten Bereiche mit teilüberdachten Balkonen bieten den Kindern großzügige gemeinsame Freiräume mit Blick auf die alte Stadtwiese. Das Gesicht der Schule mit dem neuen Haupteingang orientiert sich nun zum Grünen.

Neues Niveau

Aus dem ehemaligen Keller wird durch Abgraben ein Erdgeschoss mit einem hellen, offenen Foyer und direktem Zugang zur Wiese. Von hier aus können sich die SchülerInnen einfach orientieren und schnell überall hingelangen. Mit den Garderoben in der Lernlandschaft, der Bibliothek und dem Veranstaltungsraum entsteht ein neuer, sozialer Kern.

Die alten, hierarchische Strukturen mit dunklen Gängen und Angsträumen ersetzen wir durch helle, offene und freundliche Flächen. Jetzt können sich die Kinder sicher und selbstbewusst in ihrem Schulgebäude bewegen.

Schule mit Herz

Diese kommunikative Grundhaltung des Bildungszentrums sieht man am deutlichsten an der zentralen Treppe, die alle vier Stockwerke verbindet und mit den Lufträumen dazwischen das Herz der Schule bildet. Lange, dunkle Gänge und tote Winkel ersetzen wir durch mobile Gangmöbel, Innenwände mit Fenstern, Sitznischen und transparente Gruppenräume. Kleine und größere Transformationen im Innern – das sonnige Farbspektrum oder die gelochten Seekieferdecken mit Sternenhimmel-Beleuchtung – tragen zur offenen und freundlichen Atmosphäre bei, die man beim Betreten der Schule spürt.

Miteinander wachsen

In unseren Workshops mit den LehrerInnen kam es zu durchaus hitzigen und lebendigen Diskussionen, vor allem wenn es darum ging, wie man sich als Gruppe von Lehrenden räumlich so organisiert, dass sich alle wohlfühlen. Wir nahmen das Bedürfnis nach getrennten Lehrerzimmern mit Einzelarbeitsplätzen ernst und überzeugten die PädagogInnen von einer alternativen Lösung: ein multifunktionales Möbel steht nun in der Mitte des großen, gemeinsamen Lehrerzimmers. Es trennt die Arbeitsbereiche der VS und NMS voneinander, enthält Spinde und bildet gleichzeitig die verbindende Lounge.

An mehreren Workshoptagen diskutierten wir schon in der Wettbewerbsphase mit 70 LehrerInnen über Aufgabestellung und Anforderungen, reale Wünsche und Bedürfnisse. Wir lernten, unser Architektursprech abzulegen und unser Gegenüber lernte, dass die passende Lösung häufig nicht die offensichtliche ist.


Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Schnitte

Details

Auftragsart

EU-weit, nicht offener Wettbewerb

Auftragsumfang

Gesamte Planung

Auszeichnung

Wettbewerbsgewinn

Auftraggeber

Infra KG Stadtgemeinde Leoben,
Laubreiter Bauingenieur Ziviltechniker GmbH

Ort

Leoben, Steiermark

Planung

seit 2016

Realisierung

2018–2019

Status

Realisiert

NGF

9.402 m²

BGF

14.557 m²

Baukosten

14.4 Mio. €

Mitarbeiter

Martino Libisch (PL), Carla Kuhn, Florian Haim, Barbara Wagner, Louai Abdul Fattah, Ajdin Vukovic

Kooperation

Statik

DI Michael Judmayer ZT GmbH

Bauphysik

Vatter & Partner ZT Gmbh

Gebäudetechnik

EMC GmbH,
IB Ing. Siegfried Feiel

Brandschutzplanung

Norbert Rabl ZT GmbH

Fotografie

Hertha Hurnaus